Die Kreisvereinigung Peine der VVN-BdA plant für das 1. Halbjahr 2023 folgende Veranstaltungen:
1. Jahreshauptversammlung am Mittwoch 25.1.23 um 18 Uhr in den Peiner Festsälen. Zu Gast wird Landessprecherin Mecki Hartung aus Wolfsburg sein. 2. Samstag, 22.4.23 Fahrt mit dem Zug zum „Zeitzentrum Zivilcourage“ in Hannover. Gegen 11:15 Uhr wird uns der Leiter Dr. Jens Binner interessante Einblicke vermitteln. 3. Juni 2023 Singen antifaschistischer und Friedenlieder mit Helmut Horneffer am Lagerfeuer. Eine Paella ist vorgesehen.
Es war ein besonderer Abend, zu dem auf Einladung der Peiner VVN-Bund der Antifaschisten über 20 Musikbegeisterte zusammenkamen. Helmut Horneffer, Urgestein der Peiner Musikszene, hatte ein buntes Programm von Liedern zum Mitsingen zusammengestellt. Gemeinsam mit dem begnadeten Sänger und Gitarrenspieler wurden bekannte Antikriegslieder wie „sag mir wo die Blumen sind“ und die „Moorsoldaten“ intoniert. Zum Schmunzeln und etwas anrüchig“ erklangen ebenfalls „Papst und Sultan“ und „ein Mönch kam in ein Nonnenkloster“
Die Anwesenden waren sich einig: Es war eine tolle zweistündige Veranstaltung, die unbedingt eine Wiederholung benötigt. So sollen im nächsten Jahr im Garten einer Anwesenden beim Lagerfeuer ebenfalls antifaschistische, gewerkschaftliche und Friedenslieder erklingen.
Gemeinsam mit dem Kreisheimatbund hatte die Peiner VVN-Bund der Antifaschisten zu einem Besuch der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel eingeladen. Bis 1945 war das Strafgefängnis Wolfenbüttel die zentrale Haftanstalt im ehemaligen Freistaat Braunschweig und diente der Justiz ab 1933 zur Durchsetzung des nationalsozialistischen Unrechtsystems.
Bei einer kenntnisreichen Führung wurde klar, dass bis 1939 bis zu 25 % der neu eingelieferten Gefangenen aufgrund politischer „Vergehen“ verurteilt wurden, darunter viele Mitglieder der KPD und der SPD. Ihre politische Opposition wurde ihnen als staatsfeindliche Betätigung ausgelegt. Bis 1945 starben während der Haft mehr als 500 Gefangene. 1937 war im Gefängnis zudem eine Hinrichtungsstätte eingerichtet worden. 526 Frauen und Männer wurden dort exekutiert. Auch nach 1945 diente Wolfenbüttel als Gefängnis.
Sehr interessant für die Peiner Besucher war auch, dass dort Richard Brennig inhaftiert war. Er war erster Landrat nach dem Krieg von 1945 bis 1946. Er war Mitbegründer der „Niedersächsischen Gemeinschaft zur Wahrung demokratischer Rechte.“ Ihr wurde angelastet, „Ersatzorganisation“ für die 1956 verbotene KPD zu sein. Richard Brennig wurde 1961 vom Landgericht Lüneburg zu über einem Jahr Haft verurteilt.
Die Anwesenden waren sich einig: Ein Besuch der Ausstellung ist sehr lohnenswert.
Bei der Eröffnung der Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ im Peiner Forum warnte als Hauptrednerin Gaby Handke, Betriebsratsvorsitzende der Peiner Träger, davor, dass durch die Explosion des Energiepreises und der Inflation die Rechten eine Chance sehen, mit der Angst der Menschen zu spielen. Aber diese Kräfte haben keine Antwort darauf, wie diese Krisen zu bewältigen sind. Wörtlich sagte die Betriebsratsvorsitzende: „Nach einer Studie der Friedrich-Ebert Stiftung fordern 15 % der Befragten, dass wir einen Führer haben sollten und dass die Deutschen von Natur aus anderen Völkern überlegen sind.“ Sie verwies auf andere Länder, die uns technologisch voraus sind. Stolz sagte sie : „Wir haben bei der Peiner Träger schon lange eine Vereinbarung getroffen, die regelt, wenn sich Beschäftigte diskriminierend gegenüber anderen verhalten, diese im Unternehmen nichts verloren haben und mit Kündigungen rechnen müssen.“
Zuvor hatte der Peiner DGB Kreisvorsitzende Frank Raabe-Lindemann in seinem Grußwort betont, dass die Menschen durch die Ausstellung für Demokratie und Faschismus sensibilisiert werden, denn 20 – 25 % sind offen für rechtsextremes Gedankengut. Wörtlich sagte er: „Wir betreiben aktiven Verfassungsschutz.“
Peter Baumeister, der die Ausstellung eröffnete, freute sich, dass es in Peine das „Bündnis für Toleranz“ gibt. Er stellte fest: „Immer dann, wenn in Peine neofaschistische Gruppen oder Parteien auftreten, ist auch die Zivilgesellschaft zur Stelle. Das war besonders Anfang des Jahres zu beobachten, wo auf dem Peiner Marktplatz an zehn Montagen Rednerinnen und Redner aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu Wort kamen, die gegen die sogenannten Querdenker klare Position bezogen.“
Musikalisch umrahmt wurde die gelungene Veranstaltung von Helmut Horneffer, der jiddische Lieder spielte und auch den Song „Mein Vater wird gesucht …“.
Bei kleinen Getränken hatten die Besucher die Möglichkeit, sich in Ruhe mit den Inhalten der Ausstellung vertraut zu machen.
Bei der Jahreshauptversammlung der Peiner VVN-Bund der Antifaschisten, an der 15 Mitglieder teilnahmen, wurde Peter Baumeister als Vorsitzender bestätigt, ebenso Britta Lindemann als Stellvertreterin. Als Schriftführerin wurde Gesine Baumeister gewählt, Beisitzerinnen sind Maria Matzel und Barbara Biadacz-Hennig, Kassierer Peter Baumeister. Revisoren bleiben Hermann Spörl, Renate Meyer und Ulrich Wolf.
Musikalisch umrahmt wurde das gelungene Zusammentreffen von Helmut Horneffer, der gewerkschaftliche, antifaschistische und Friedenslieder vortrug.
Coronabedingt konnten in den vergangenen zwei Jahren nur kleine Veranstaltungen durchgeführt werden, z.B. die Kranzniederlegung im Peiner Herzberg am 8.Mai gemeinsam mit dem DGB Peine. Für 2022 kündigte Peter Baumeister eine Fahrt zur Gedenkstätte Wolfenbüttel an, eine Ausstellung im Peiner Forum zur Rolle der AfD ist angedacht. Im Herbst wird eine musikalische „Session“ , gestaltet von Helmut Horneffer, durchgeführt.
In ihren Ausführungen wies Landessprecherin Inge Scharna darauf hin, dass es die Aufgabe der VVN-Bund der Antifaschisten ist, aktiv gegen Nazis und Neonazis und deren Parteien und Organisationen anzutreten. Das geschieht in Bündnissen und bei eigenen Veranstaltungen. Sie wandte sich gegen die 100 Milliarden, die zusätzlich für militärische Aufgaben ausgegeben werden und die 2 % des Bundeshaushalts für Rüstungsausgaben. Diese Gelder fehlen z.B. im Bildungsbereich , dem Gesundheitswesen und der sozialen Infrastruktur. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wurde eindeutig verurteilt.